Das habe ich nicht bestellt!
Wenn ich in ein Restaurant gehe und etwas von der Speisekarte bestelle, erwarte ich, dass mir nach angemessener Zeit genau dieses Gericht serviert wird. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte ich mich vorher über das Gericht informieren; der Kellner hilft mir gern dabei. Wenn es mir dann doch nicht schmeckt, muss ich eben das nächste Mal etwas Anderes bestellen. Wenn mir allerdings ein ganz anderes Essen serviert wird, kann ich das zurückgehen lassen und muss es auch nicht bezahlen.
Ganz anders ist das in der Politik. Ich wähle eine Partei, und erwarte, dass sie ihr Programm umsetzt, wenn sie gewinnt. Stattdessen kommt es in der Regel zu einer Koalitionsregierung, wo bereits im Koalitionsvertrag Kompromisse gemacht werden müssen, und auch in der konkreten Gesetzgebung immer wieder Interessen austariert werden. Obendrein benötigen viele Gesetze die Zustimmung des Bundesrats, wo wieder andere Mehrheitsverhältnisse herrschen, die sich in der Regel auch im Laufe einer Legislaturperiode zu Lasten einer Regierung verändern. Da das Ganze außerdem noch sehr lange dauert und zwischendurch immer wieder Landtags- und Kommunalwahlen besondere Rücksichtnahmen erfordern, ist für mich kaum noch ein Zusammenhang herstellbar zwischen meiner Wahlentscheidung und der konkreten Politik, die ich am Ende bekomme. Vielmehr hat jede Regierung unendlich viele Ausreden, wenn sie nach der Wahl nicht das tut, was sie angekündigt hat. Außerdem vollzieht sich Politik so in viel zu kleinen Schritten, mit viel zu vielen Bremsmanövern und zu wenig innovativ.
Um hier mehr Klarheit zu bekommen und Regierungen handlungsfähiger und schneller zu machen, bin ich für:
1. Einführung des Mehrheitswahlrechts
Wer in den Bundestag will, muss einen Wahlkreis gewinnen. Anders geht es nicht. D. h. er muss einen kompletten Politikentwurf anbieten, der in einem Wahlkreis mehrheitsfähig ist. Landeslisten gibt es nicht, Zweitstimmenkampagnen gibt es nicht, Vertreter von Einzelinteressen haben praktisch keine Chance, im Rahmen einer Koalitionsregierung mehr Einfluss zu bekommen, als sie nach Stimmenanteil verdienen. Das heutige Wahlrecht mit Erst- und Zweitstimme, Überhang- und Ausgleichsmandaten ist so kompliziert, dass viele Menschen es nur ungefähr verstehen und von daher zum Teil falsche Entscheidungen treffen. Ein Mehrheitswahlrecht hat sicher nicht nur Vorteile, aber es sorgt für klarere Verhältnisse.
2. Gemeinsame Wahltermine
Damit die Regierungsarbeit nicht durch permanente Wahlkämpfe behindert wird, sollten alle Wahlen auf einmal stattfinden. Politische Trends laufen dann im Bund, in den Ländern und Kommunen in die gleiche Richtung und blockieren sich nicht. Es lassen sich dann auch klarere Bilanzen ziehen, wer in Rahmen einer Legislaturperiode was erreicht hat.
Für Politiker würde das Leben damit durchaus härter, aber vielleicht auch befriedigender, weil sich in der Regierungszeit mehr bewegen ließe. Ich als Wähler könnte mir eine klareres Urteil bilden, ob ich die Politik bekomme, die ich bestellt habe, und was diese Politik in ihrer Konsequenz bewirkt. Das unbestimmte Das-habe-ich-nicht-bestellt-Gefühl könnte damit ein Stück weit abgebaut werden.